Betriebliches Gesundheitsmanagement

Unternehmen und Spitzen-Check-Up-Medizin haben zunehmend wichtige Schnittstellen, denn Leistungsfähigkeit von Organisationen hängt in besonderem Maße von der Gesundheit und Vitalität ihrer Mitarbeiter ab.

Es sind hierbei vor allem drei Faktoren, die eine besondere Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Deutschland darstellen (1):

  1. Demographischer Wandel
  2. War for Talet
  3. Krankheitskosten

 

1. Demographischer Wandel

Insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sollen Produktivität und Motivation bei älteren Belegschaftsmitgliedern nicht abnehmen. Denn bereits im Jahr 2024 wird die Gruppe der 50 – 65 Jährigen über 40 % der in Deutschland Erwerbstätigen ausmachen. Chronische Krankheiten wie Durchblutungsstörungen des Herzens, Diabetes mellitus, Erkrankungen der Atemwege oder auch degenerative Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule spielen gerade in dieser Altersgruppe eine besonders hohe Bedeutung. Für Unternehmen ist die unmittelbare Investition in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ein Wertschöpfungsfaktor.

50 +

 

Mit zunehmenden Alter dauern Arbeitsunfähigkeiten länger.

Die Dauer krankheitsbedingter Fehlzeiten steigt gleichmäßig mit dem Alter der Arbeitnehmer an. (4).

Bei den über 50-Jährigen werden rund 47 Prozent des Krankenstandes durch Erkrankungen von über sechs Wochen Dauer verursacht.

17%

 

Frührente aufgrund von Krankheit oder Behinderung.

Daten von Eurostat belegen, dass 17 Prozent der 55 – bis 64 – Jährigen in 15 EU Ländern ihre letzte Tätigkeit auf Grund von Krankheit oder Behinderung beenden müssen. (5)

2. War for Talent

Im Wettbewerb um die besten Köpfe stellt sowohl die Neugewinnung als auch die Bindung von Mitarbeitern den entscheidenden Erfolgsfaktor dar.

Dabei stellt die Gesundheitsvorsorge mittlerweile einen wichtigen Faktor der Arbeitgeberattraktivität und einen Erfolgsfaktor im Recruiting neuer Mitarbeiter dar (11).

Der Faktor Gesundheitsfürsorge wurde in dieser Studie von 78,8 % der Befragten als wichtig bewertet und lag hierbei sogar noch vor anderen Anforderungen an den Job und den Arbeitgeber wie beispielsweise Lage des Unternehmens an einem attraktiven Standort oder soziales Engagement des Unternehmens. (11)

78,8%

 

Betriebliche Vorsorge kann Wettbewerbsvorteil sein.

78,8% der befragten Unternehmen messen der betrieblichen Vorsorge einen starken oder sogar sehr starken Einfluss im Wettbewerb um die Arbeitskräfte zu (11 / zu ähnlichem Ergebnis kommt 1).

3. Steigende Krankheitskosten

Krankheiten des Kreislaufsystems und bösartige Neubildungen stellen die beiden häufigsten Ursachen für die Notwendigkeit einer stationären Versorgung von Arbeitnehmern dar (2).

Neben den durch die Abwesenheit der Arbeitnehmer entstehenden Krankheitskosten sind in den letzten Jahren zunehmend die Auswirkungen des sogenannten Präsentismus in den Blickpunkt gerückt. Hierbei handelt es sich um Kosten, die durch Arbeitnehmer entstehen die trotz Krankheit ihre Arbeit verrichten und sich dabei durch verringerte Arbeitsqualität und Anfälligkeit für Fehler auszeichnen. Präsentismus kann im ungünstigsten Fall in der Entwicklung chronischer Erkrankungen bis hin zum Burn-out münden.

75%

 

Kosten durch Präsentismus.

Auf der Basis konservativer Berechnungen macht Präsentismus dabei zwei Drittel der Kosten von 3.591 Euro pro Arbeitnehmer aus, die Unternehmen jährlich durch Krankheiten entstehen (3).

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Zunahme von Zivilisationskrankheiten, der zunehmende Stress am Arbeitsplatz und die demographischen Veränderungen mit dem daraus resultierenden Fachkräftemangel machen Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter zunehmend notwendig.

Die gesetzlichen Leistungen zur Gesundheitsfürsorge werden von 81 % der Befragten als unzureichend bewertet (9), so dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement zunehmende Bedeutung gewinnt.

Die Notwendigkeit eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements wird von 80 % der befragten Unternehmen klar anerkannt.

Allerdings setzen lediglich 36 % der Unternehmen dies auch praktisch um (10).

 

Gesundheit von Führungskräften

Etwa jede zweite Führungskraft in Deutschland klagt aufgrund der Belastungen am Arbeitsplatz über gesundheitliche Probleme wie beispielsweise Rücken- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen oder Herzstolpern (6-8).

Knapp jeder Zweite Geschäftsreisende, der mehrmals monatlich unterwegs ist beurteilt den Stresslevel seiner Geschäftsreisen als hoch bis sehr hoch.

 

Return on Investment

Der betriebswirtschaftliche Nutzen geeigneter Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist mittlerweile durch circa 1.000 Studien klar erwiesen. Geeignete Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung reduzieren die Abwesenheitszeiten am Arbeitsplatz um 30 – 40 % (13). Sogar 76 % der Ausfälle die durch chronische Erkrankungen entstehen können durch Prävention verhindert werden (14)

Mittlerweile liegen auch medizinökonomische Daten zu den professionellen Check-Ups der Mayo-Clinic vor. Die Check-Ups mit Anwendung moderner Schnittbilddiagnostik weisen einen Return on Investment (ROI) im Verhältnis von 2,3:1 auf (sowohl vermiedene Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung, Pflegebedürftigkeit als auch bei Führungskräften vermiedener werthaltiger Ausfall von Projekt und/ oder Vertriebsarbeit).

Das EUROPEAN PREVENTION CENTER baut selbst eine wissenschaftliche Datenbank zur Evaluierung der Kosteneffektivität von High-Tech-Check-Up-Medizin auf.

 

Ausblick

Die American Medical Association empfiehlt vor dem Hintergrund der genannten Datenlage die Durchführung regelmäßiger medizinischer Checkup-Untersuchungen. Bis zu einem Lebensalter von 40 Jahren wird ein Checkup alle 5 Jahre empfohlen. Nachfolgend sollten Checkup-Untersuchungen dann – basierend auf individuellen Faktoren – in jährlichen bis drei jährlichen Intervallen erfolgen.
Die Roland Berger Unternehmensberatung bezeichnet Betriebliches Gesundheitsmanagement als Investition mit mehrfacher Rendite, da die Sicherung der Leistungsfähigkeit der Belegschaft in Zeiten schwieriger Mitarbeiter Gewinnung hilft Wettbewerbsvorsprünge zu erzielen und zu erhalten (13).

 

Literaturliste:
(1) Booz&co.: Vorteil Vorsorge. Die Rolle der betrieblichen Gesundheitsvorsorge für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftstandortes Deutschland
(2) BKK Gesundheitsreport 2015. Langzeiterkrankungen.
(3) Statistisches Bundesamt Inlandsproduktberechnung 2009.
(4) DAK Gesundheitsreport 2015, Seite 14-15
(5) BKK-Gesundheitsreport 2007
(6) Topmanager-Studie 2003 von Kienbaum: Befindlichkeitsstörungen von Managern [manager-magazin, 07. Februar 2003] (7) Umfrage des Verbandes angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA), Juli 2007
(8) Beratergruppe Neuwaldegg (2007): Neuwaldegger Top-Management Survey 2006. Teil 4: Gesundheitsförderung. „Herzinfarkt, Magengeschwür, Burnout … ich doch nicht!“
(9) Bundesweite repräsentative Befragung von 1.000 Personen im Auftrag der DEVK Versicherungen 2009
(10) IGA 2010
(11) Orizon-Studie 2013
(12) Auflistung von 11 Studien in PFAFF 2008
(13) Roland Berger think: act Content 2012
(14) Peter Oberender. Produktivitätsverluste durch bessere Versorgung deutlich reduzierbar, 2010.
(15) Studie „Chefsache Business Travel 2015“ die im Auftrag des Deutschen ReiseVerbands (DRV) durchgeführt wurde. 110 Geschäftsführer, die selbst regelmäßig auf Geschäftsreisen sind, sowie 110 geschäftsreisende Führungs- und Fachkräfte aus Unternehmen ab 250 Mitarbeitern wurden dafür zum Thema Geschäftsreisen befragt. Die Daten wurden vom 2. bis 16. Oktober 2014 erhoben.

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